unsere Stillgeschichten – Stillen ein Geschenk der Natur

Ich stille nun mein 2. Kind und gerade jetzt ist das Thema wieder sehr present in den Medien. Eine prominente Mutter ist beim Stillen in einem Restaurant der Räumlichkeit verwiesen worden… Aber fangen wir mal von vorne an, bevor wir unseren Muddi-Cappuccino im Hipstercafé einnehmen.

Meine Stillgeschichten sind sehr ähnlich und doch so unterschiedlich.

K1 wurde mir, nach eine holprigen Geburt, ca. 6 Stunden später, in einem stillfreundlichen Krankenhaus, das erste mal an die Brust gelegt. Ich wusste einfach gar nicht was mich da erwartet und wie es geht und das Krankenhauspersonal… na ich sag mal so, Personalmangel trifft’s ganz gut. Das Baby schnappte sich was es kriegen konnte und trank. Toll!!! Schnell gefolgt von Aaahhhh!!! Das tut aber weh! Und so ging es weiter, die nächsten 24 Stunden, oft bat ich um Hilfe, das Anlegen glich eher dem Anblick einen klemmenden Druckknopf schließen zu wollen, bis ich zur Schwester meinte es schmerzt so sehr, zack kam die Pumpe und das passende Equipment. Ich berichtete eine Freundin von unserem doofen Start und ihre schnelle Antwort war unsere Rettung: Lass dir sofort die Stillberaterin kommen!! Nach 3 Tages des Martyriums kam eine große gestandene Frau, fragte mich, ob ich gerne stillen möchte, ich bejahte, sie schaute sich meine wunden Brüste an, lief los, holte ein Stillhütchen, legte es mit mir an, dann sollte ich mich auf die Seite legen, sie nahm mein Baby mit einem fachlichen Griff, dockte ihn an und er trank, es tat gar nichts weh!

Nach 4 Monaten haben wir uns vom Stillhütchen getrennt und hatten noch weitere 10 Monate eine entspannte Stillzeit.

Dieses Stillen hat mir aber nachts den letzten Nerv geraubt. Das im Liegen stillen, klappte irgendwie nur mit Hebamme, alleine nie. Also setzte ich mich immer auf. Wenn ein Baby nachts stündlich gestillt werden möchte, kommt man auf ca. 3 Stunden Schlaf – nicht am Stück!!! Insgesamt! Nach 8 Monaten gab es die Brust dann nur noch zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Für uns alle war das ein guter Weg. Nach 14 Monaten endete unser Beziehung. Einfach so! Ohne Zwang ohne Plan und ohne Tränen – auf keiner Seite! So fürchterlich wie der Anfang war, so schön war das Ende.

Bei K2 sollte der Start nun besser werden, wir waren ja geübter. Und nun kommen meine Weisheiten, denn ich kann endlich das anwenden, was ich beim ersten Baby gelernt habe.

Das Anlegen – Das Halten

Da ist wirklich die richtige Technik gefragt. Das Baby muss „die ganze Brust“ in den Mund nehmen und nicht nur den Nippel. Egal ob Wiegehaltung, Rugby-, oder im Liegen, sucht euch anfangs eure bequemste Lieblingsposition. Der Nippel öffnet den Mund, das Baby schnappt sich „alles“ und dann entspannen! Nach den ersten paar Zügen darf nix mehr wehtun, aber das „anschnappen“, wie ich es nenne, hat bei mir in den ersten 14 Tagen ordentlich weh getan. Schmerzen, wirklich Schmerzen, so das ich nachts mir mal mit Schmerzmitteln helfen musste, damit ich weiterhin entspannt an die Sache ran gehe und nicht schon vorher die Lust vergeht, dann läuft nämlich nix.

Ruhe bewahren

Es gibt keine Zeit, es gibt keine Milliliter!! Dies soll am besten eure Hebamme beurteilen, aber ihr erkennt selbst am besten, wie gut es eurem Baby geht.
Mal trinkt ein Baby stündlich, dann mal 3 Stunden Pause, mal trinkt es 45 Minuten, mal nur 10. Es gibt keine Rhytmus, kein Plan. Lasst euch Zeit und nehmt euch diese auch! Eins ist klar, die Nachfrage bestimmt das Angebot, also immer wieder Anlegen. Irgendwann hat die Brust verstanden, was das Baby braucht und möchte, aber auch diese 3 (man hat ja in der Regel 2 Brüste) müssen sich ja erstmal kennenlernen.

Stillen ist harte Arbeit für die Mutter und da bedarf es großer Hilfe und Unterstützung durch alle umliegenden Personen!

  • keine Fläschchen und Co zuhause haben
  • gestillt werden darf immer und überall!
  • die Mutter bekommt was zum Trinken/Essen
  • sorgt für ein gemütliches Lager
  • Cosleeping mit und ohne Beistellbett (da liegt immer meine Wasserflasche)
  • nachts hilft ein Lämpchen
  • Wochenbett-Helferlein
  • Befürwortung und gute Zusprache
  • eine Stillberaterin
  • ein Stilltuch

Und wenn man sich jetzt so eingegrooved hat und seinem Baby zuhört, sieht, wann es gestillt werden möchte, dann ist man bereit für das hippe Café um die Ecke. Sollte sich jetzt das Baby melden und auch nen leckeren Drink haben wollen 🙂 dann ist man etwas routinierter und entspannter.
Sucht euch eine ruhige Ecke oder behelft euch mit einem Stilltuch, das schützt nicht nur vor ungewollten Blicken, auch das Baby hat weniger äußere Reize.

Um so normaler wir damit umgehen, um so weniger Angriff verursacht es.
Ja, viele nervt dieses Thema und empfinden Worte wie meine als Stillpropaganda, nervige Posts oder Mütterwahn. Ich für meinen Teil werde nicht schweigen zu diesem Thema und in der Öffentlichkeit stillen. Im Café, im Einkaufladen, im Auto, egal wo. Ich bedecke mich und das Baby oft und somit sollte niemand sich angegriffen fühlen. Wer es doch tut: schau weg! Es ist total normal und natürlich, ohne das Stillen wären wir Menschen nicht hier. Vor vielen Jahren gab es keine PreMilch. Es ist schön, dass es diese Produkte für den Außnahmefall gibt! Aber lecker ist es nicht…. Oder schon mal probiert?!

Ich werde K2 wieder so lange stillen, wie es uns beiden gut tut… Wir werden sehen! Momentan ist stillen für uns unsere Exklusivzeit, denn beim 2. Kind geht der Alltag natürlich einfach weiter. Beim Stillen tanken wir beide Nähe, bonden auch nach 8 Monaten noch, genießen diese schöne Zeit. Klar geht es mir nachts auch manchmal auf den Keks, dass ich zwischen 1 und 15 mal die Nacht geweckt werde, aber wir können dieses Mal im Liegen stillen, das gibt mir viel Kraft und ich bin tagsüber erholter als bei K1. Seit ein paar Woche stille ich auch gerne einseitig, das heißt, mein Baby bleibt an meiner Seite liegen und es bekommt abwechselnd die untere oder obere Brust. Wenn die obere Brust getrunken wird, lege ich meinen oberen Arm einfach weit über das Baby drüber oder unter meinen Kopf.

Lasst euch nicht entmutigen! Stillen ist das natürlichste der Welt, lasst euch nicht verunsichern und fragt die richtigen um Hilfe. Und nehmt euch Zeit!! So ein Baby hat ja auch 10 Monate zum reifen gebraucht… was sind da schon ein paar Wochen zum eingewöhnen.

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