Stillen – ein echt harter Job

Oh ja, es ist ja so schön. Und das natürlichste der Welt. Das beste was man dem Baby geben kann. Die WHO sagt 6 Monate ausschließlich stillen und dann begleitend bis zum 2. Geburtstag.

Aber sind wir mal ganz ehrlich:

Es ist ein verdammt harter Job!!!

Es fängt damit an, dass die eigene Brüste über eine sehr lange Zeit ausschließlich von einem Baby in Beschlag genommen werden.

Die Nippel müssen sich erstmal an den neuen Zustand gewöhnen. Sind wund, bluten vielleicht, tun selbst beim Duschen weh.

Die Brüste anfangs steinhart und riesig (okay, auch mal ganz gut zu wissen, wie man mit Implantaten aussehen würde), der Zustand geht wieder weg und endet bei schlabbrig (dazu später mehr)

Hunger, ich habe großer Hunger!! Ständig und viel. Aber übertreiben darf man es nicht. Sonst stimmt die erhöhte Kalorienbilanz doch irgendwie nicht…

Durst, viel Durst. Und ja man sollte sich wirklich im einen ausgeglichenen Wasserhaushalt kümmern.

Schlafen. Tja, immer dann wenn das Baby sich nicht stillt. Da schafft man es in manch einer Nacht auf 3h INSGESAMT. Es kann aber auch mal erholsamer sein. Wir es auch, mit Rückschlägen sollte man aber rechenen. Die Profi-Stillerin merkt schon am Ruscheln im Schlafanzug, dass da jemand nach nem Drink lechzt. Rechte Seite, linke Seite, rechte Seite… upps welche hatten wir jetzt als letztes? Egal. Oh, die rechte wurde am wenigsten getrunken. Die sieht nämlich am Morgen wieder aus wie frisch vom Schönheitschirurgen. Und so wie die Nacht war, geht der Tag auch weiter.

Man schafft nix mehr ohne Unterbrechung. Nur kurz das Frühstück zubereiten, oh kurze Stillpause, weiter mit dem Frühstück. Die Wäsche machen, wieder ne Pause, erstmal was essen, oh wo war ich stehen geblieben? Am Ende des Tages ist das Frühstück nicht aufgegessen, geschweige denn weggeräumt, die Waschmaschine zwar angestellt aber nicht ausgeräumt, das Projekt „Schränke aufräumen“ auf Monate verschoben. Und dann schellt es in den Ohren: „du stillst doch nur, was hast du den ganzen Tag gemacht?“

Wo wir irgendwann wieder beim Beginn der Nacht wären. Einschlafen niemals ohne Stillen und das bitte die komplette erste Schlafphase von ca. 30-45 Minuten lang. Das muss aber nicht immer so gemütlich sein, wie es auf manchen Bildern scheint. Es geht auch hektisch, andocken, abdocken, andocken, mit den Füßen strampeln, abdocken, andocken… ruhig und gemütlich ist wirklich was anderes. Und dann wird der Nippel nicht mehr ausgespuckt, einmal Vakuum immer Vakuum. Dann bohrt man mit den kleinen Finger im Mundwinkel vom Baby und hofft, dass es A) das Vakuums löst, B) loslässt und C) weiterschläft!!!

Auch die Positionen sind nicht immer so wie auf dem Flyer der Hebamme. Das Baby kommt zu Brust. Ja ist richtig und sollte zu 90% erfüllt werden. Es gibt da aber noch die restlichen 10… Frauen mit kleinen Brüsten können es manchmal schwerer haben. Im Liegen ein Hohlkreuz, im sitzen zu weit nach vorne gebeugt, im Auto der Anschnaller in die Pobacke gebohrt, in der Umkleidekabine nur eine Pobacke auf der kleinen Bank. Im Winter kalt, kalt am Rücken, kalt am Bauch, mal eben ohne Jacke, da sonst der Reißverschluss sich ins Babygesicht eindrückt. Oder meine liebste blöde Haltung: auf dem Klo (ja, das hatte ich auch schon, und nein, das Baby konnte nicht mehr warten!)

Dann wäre da noch die passende Kleidung. Still-BHs sind meistens nicht so schön, selbst der kleinste Steg kann ganz fies einschneiden. Ich bin bei Sport-BHs mit Stillfunktion gelandet. Diese Wickeltshirts sind optisch nicht so meins und dauerhaft oben ohne auch nicht. Ebenso die Tatsache, dass man sich ständig im stillfreundliche Kleidung Gedanken machen muss. Das schöne Lieblingsshirt, zu eng, bekomme ich nicht hochgeschoben, falsches Material, da schwitze ich drin, Seidenbluse? Wenn dann die Brust ausläuft, ganz hässliche Flecken. Eine Einladung zu Hochzeit? Oh je, welches Kleid erfüllt jetzt all meine Anforderungen?!

Wenn man unterwegs ist, will man ja nicht ewig an der Kleidung rumzuppeln, man ist ja so schon beschäftigt, sich vor fremden Blicken zu schützen. Ein Stilltuch hat uns da sehr geholfen, ist aber manchmal einfach zuhause vergessen worden. Wenn es doch dabei ist und das Baby bereits etwas agiler dann zuppelt das Baby immer am Tuch rum und man ist ständig mit wieder zurecht richten beschäftigt. Wenn die kleinen Finger dann das eigene gesucht erreicht haben, dann wird da auch gerne mal in die Unterlippe gekniffen. Vorbei die Zeit als das Baby die Mutter nich liebevoll beim Stillen streichelt.

Und überhaupt sie Tatsache, dass diese Brüste gerne beide den Hahn gleichzeitig aufdrehen, obwohl nur eine Seite einen Abnehmer hat. Wenn’s heftig wird, hilft nur ne Einlage für inkontinente Brüste, die knistern manchmal wenn man dagegen stößt. Auch nicht toll.

Und wie war das mit den Hormonen. Dauerhafter Zustand. Sie machen einen weich! Weich im Kopf, weich im Gewebe. Kausale Sätze mit zwei eingeschoben Nebensätzen sind für mich oft ein Ding der Unmöglichkeit. Mein Gewebe trotz regelmäßigem Sport weich und wabbelig und ganz weit weg von straff. Sehr zum Leidwesen des Beckenbodens, der wieder straff trainiert werden möchte.

Aber was tut man nicht alles für das Baby! Stillen ist doch so schön und das natürlichste der Welt. Ach ja, und stillt man länger als 4 Monate, dann biste eh schon mit dem Stempel „Langzeitstiller“ versehen. Aber wehe du stillst vor dem ersten Lebensjahr ab! Dann hat man egoistisch gehandelt. Ach ja, es ist einfach eine schöne Sache und die natürlichste der Welt!

Und wenn man mal wieder an all dem zweifelt. Morgen ist ein neuer Tag, eine neue Chance, und ich kenne kein Baby, das sich bis zum 18. Geburtstag stillt. Diese Beziehung ist also endlich. Es hat ein Ende. Für immer. Also genieß es, so lange ihr beide es könnt und wollt.

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